Gönül Pasinli arbeitet mit starken Farben und wählt figurative Motive. Dafür wird eine Skizze als Pinselzeichnung angelegt. Dann folgt die farbige Ausarbeitung in einer dynamischen Strichführung, für die unterschiedliche Pinselbreiten gewählt werden. Die Farben wählt die Malerin nach ihren Vorstellungenaus. Auch aggressiv wirkende Farbkonstellationen können zur Typisierung einer Person wichtig werden.

Für diese Entwicklung gab und gibt es wichtige Anregungen: die Malerei von Vincent van Gogh und der Expressionismus. Damit verbunden ist eine besondere Wiedergabe innerer Haltung, die sich in expressiver Farbigkeit ihren Ausdruck sucht. In ihren neuen großen Bildnis-Formaten setzt die Malerin zudem den Blick der Augen in den Mittelpunkt der Wirkung. Sie sind naturalistisch gemalt, während Haar- und Gesichtspartien als malerisch frei ausgeführte Flächen antinaturalistisch erscheinen können. So stehen sich in einem Porträt natürlich erscheinende Abbildung und abstrakt komponierte Teile auf faszinierende Weise gegenüber. Einerseits verfremden diese aus dem Bild blickenden Augen das gemalte Bild als reine Malerei, andererseits entwickelt sich eine Art Magie des Blicks, denn diese Augen stellen einen unmittelbaren Blickkontakt her – den gilt es auszuhalten.

Gönül Pasinli führte die Suche nach Eigenem zu den Farben – sowohl in den Tönen als auch im Farbauftrag. Hilfe fand sie bei van Gogh. Den hat sie nun in einer übergrossen Darstellung seines markanten Kopfes wieder zum Motiv gewählt. Dabei ist ihr ein besonderes Malstück gelungen:

Während die Augen klar und hell blickend direkt aus dem Bild und mit realistisch gemalter, fein wiedergegebener Irisfarbe schauen, bieten sich die Gesichtspartien als farbig strukturierte Flächen mit leuchtenden Farbstrichen dar. Die Augen sind nun das fokussierende Bildelement, während in den ausgebreiteten Farbpartien unser Blick spazieren und umherschweifen kann.

So zeigen die großen Formate das Gesicht oder den Kopf auf zweifache Weise: als wiedererkennbares Porträt und als abstraktes Farbgebilde – zugleich sind damit Nähe und Distanz gewonnen.

Beim Betrachten können sich Alle eigene Geschichten ausdenken!

Susanne Meier-Faust M. A.

Kunsthistorikerin, Kunstvermittlerin, Kuratorin

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